Metropolis - Das Kulturmagazin auf ARTE
Metropolis - Das Kulturmagazin auf ARTE
Unter anderem mit folgenden Themen:
(1): Ereignis: Superman wird 70 - und feiert in Metropolis, Illinois...
Autorin: Susanne Reichling
Supermans Zuhause ist Metropolis - Metropolis in Illinois, USA. Das ließ sich die Kleinstadt 1972 gerichtlich bestätigen. Denn die geschäftsträchtige Namensgleichheit mit der fiktiven Heimatstadt des gebürtigen Kryptoniers und ersten Superhelden der Comicgeschichte ließ die Honoratioren von Metropolis damals schnell reagieren.
Obwohl Superman eigentlich schon ein paar Jahre älter ist, gilt 1938 als sein Geburtsjahr. Denn da gelang es den Vätern der Comicfigur, Jerry Siegel und Joe Shuster, mit National Publications einen Verlag für ihr Projekt zu finden. Vorher war der Held einfach nicht gefragt. Heute hat Metropolis knapp 6.500 Einwohner. Das Städtchen ehrt seinen berühmtesten Bürger einmal im Jahr mit dem Superman Festival, das am 15. Juni stattfindet und tausende Menschen in die Stadt locken wird, davon viele kostümiert im Blaurot des Superhelden.
"Metropolis" besucht die Feierlichkeiten zum 70. Geburtstag am Superman Square und stellt die schrägsten Fans, ein Superman Museum und die Zeitung "The Metropolis Planet" vor, die sich in der Tradition des "Daily Planet" weiß, wo Supermans Alter Ego Clark Kent die Journalistin Lois Lane kennenlernte.
(2): Theater: Christoph Marthaler in Sils Maria
Autor: Daniel Müller
Zwei Bauten bestimmen den bekannten Schweizer Ort Sils Maria: Das Grand Hotel Waldhaus und das Nietzsche-Haus. In dem einen residierten Größen der jüngeren Kulturgeschichte. In dem anderen schuf der Philosoph Teile seiner Werke. Jetzt wird das Waldhaus 100 Jahre alt. Ein Grund dafür, dem ehrwürdigen Hotel, dem Nietzsche-Museum sowie Sils Maria als Ort für kulturelle Großtaten näher zu kommen.
Wie steht es 2008 um die Anziehungskraft des Ortes auf Kulturschaffende? Sils Maria, ist das immer noch einer der kulturellen Fixpunkte Europas - allein durch seine Gäste? Anlass zu dieser Spurensuche bietet das exklusive Geburtstagsgeschenk des Theaterregisseurs Christoph Marthaler für das Grand Hotel.
Dieser inszeniert mit seinem Team dort im Juni dieses Jahres ein Theaterstück, welches gleich mehrere Räumlichkeiten des alten Hauses bespielt. Mehr wird vom Macher vorab nicht verraten. Aber "Metropolis" wird ihm bei der Arbeit über die Schulter schauen und sehen, wie ihn der Genius loci erfasst.
(3): Porträt: Camille - der Mensch als Resonanzkörper
Autorin: Annika Seiffert
Der Körper als Orchester - Bobby Mc Ferrin hat das vorgemacht. Camille aber kann es besser. Sie ist derzeit eine der spannendsten Popkünstlerinnen Frankreichs. Die 30-jährige Sängerin braucht keine Instrumente für ihre Musik, sondern entdeckt den Menschen als Resonanzkörper. Ideenreichtum und Experimentierfreude treffen auf große Vokalkunst: Auf Camilles neuem Album "Music Hole" schnalzt und gurrt, trällert und grunzt, kiekst, haucht, scattet und seufzt sie sich durch ein Sammelsurium an Musikstilen. Stimme und Alltagsgeräusche werden zigfach aufeinandergeschichtet und geloopt - heraus kommt ein Mix aus a cappella, Musical, R&B und Chanson. Camilles avantgardistische Popmusik ist mehr als eine Präsentation technischer Versiertheit: Denn wichtiger als eine Leistungsschau ist der Klangforscherin der Spaß am Musizieren. Camille macht Musik, die zurück zu ihren Wurzeln reist: in den menschlichen Körper und zu seinen Vibrationen.
Ohne technischen Schnickschnack und elektronischen Firlefanz präsentiert sich Camille als Abenteurerin und Erforscherin des Klangs, mit einer kindlichen Freude an den unterschiedlichsten Ausdrucksformen. So ein Experiment könnte nerven und ganz schön in die Hose gehen. Doch bei Camille funktioniert es. Sie ist eine Pop-Avantgardistin par excellence.
Camilles neues Album "Music Hole" erschien im Mai.
(4): Lost Girls
Autor: Carsten Binsack
Die Kritik schwärmt vom Märchen-Porno „Lost Girls“: „Mutig und überwältigend“ (Variety). „Intelligent und vielschichtig“ (USA Today). „Das Werk schenkt der Pornografie eine neue Bildersprache“ (WamS). Warum wird die freizügige Story als Kunst gefeiert? Der Brite Alan Moore, der den Text geschrieben hat, gilt als bester Comic-Autor der Welt. Seine Werke wurden von Hollywood verfilmt, z. B. „From Hell“ (mit Johnny Depp), „Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen“ (mit Sean Connery). Alice aus "Alice im Wunderland", Wendy aus "Peter Pan" und Dorothy aus "Der Zauberer von Oz" sind in ihrem Leben lange nicht so lieb und unschuldig gewesen, wie es uns die Märchen erzählen wollen. Die drei Damen treffen sich in einem Hotel und sie kommen ins Gespräch, offenbaren einander ihre geheimsten Fantasien, ihre sexuellen Erlebnisse. Melinda Gebbies zeichnete die Bilder zu den Texten von Moore. Über 15 Jahre arbeiteten beide gemeinsam an dem dreibändigen Werk. Darüber wurden Sie selbst zum Liebespaar.
„Lost Girls“ ist soeben in Deutschland erschienen.
(5): Ausstellung: Richard Serra in Bregenz
Autorin: Christina Haberlik
Richard Serra im Museum? Das geht doch gar nicht! Seine Skulpturen sind in der Regel von solch monumentaler Größe, dass kaum ein Museum – weder statisch noch räumlich - in der Lage ist, sie auszustellen. Häufiger zieren seine Stahlplastiken den öffentlichen Raum. Nun kann sich das Kunstmuseum Bregenz glücklich schätzen, Serras weniger bekanntes, zeichnerisches Oeuvre zu zeigen. Arbeiten, die sozusagen das ‚menschliche Maß' wahren. Das KUB rühmt sich, ab 14. Juni eine historisch einmalige Ausstellung zeigen zu können: Sechs bedeutende Werkgruppen von Serras ‚Drawings'. Zwei davon hat er sogar eigens für das Bregenzer Museum angefertigt. Wir begleiten Richard Serra beim Hängen der Ausstellung und zeigen, was dem Meister der großen Form wirklich wichtig ist - außer Größe.
(6): Literatur: Krach im Verlag: Aufbau vorm Aus?
Autorin: Eva Schmidt
Bernd Lunkewitz schweigt. Der Ex-Verleger des renommierten Aufbau Verlages geht nicht ans Telefon, beantwortet keine Emails und auch sonst keine Anfragen. Nach 17 Jahren, großen Verdiensten und harten Kämpfen hat er das Handtuch geworfen. Damit droht dem letzten, großen ostdeutschen Verlag der Untergang. Ein deutsches Trauerspiel, dessen erster Akt bereits kurz nach der Wende begann. 1991 kaufte Lunkewitz den Verlag der Treuhand ab, doch leider hat er der Treuhand, wie Lunkewitz später erfährt, niemals gehört. Ein Verlagskrimi beginnt. Lunkewitz gelingt es, den Verlag ein zweites Mal, dieses Mal vom rechtmäßigen Besitzer zu erwerben. Er klagt gegen die Treuhand. Nach 14 Jahren Rechtsstreit gewinnt Lunkewitz den Prozess – und zieht sich aus dem Verlag zurück. Er spielt nun die eine Gesellschaft, die ihm gehört, gegen die andere, die ihm ebenfalls gehört, aus. Warum er dem Aufbau Verlag nun das Geld entzieht, versteht Geschäftsführer René Strien nicht, der sich im „Metropolis“-Interview sichtlich verärgert und enttäuscht zeigt. Nicht nur er, sondern auch Aufbau-Autoren, wie der Schauspieler Winfried Glatzeder („Die Legende von Paul und Paula“), bangen nun um den Verlag. Und, wie der „Belmondo des Ostens“ gegenüber „Metropolis“ äußert, auch um ihre Rechte und Gehälter.
Metropolis
Informationen zur Sendereihe
Das deutsch-französische Kulturmagazin METROPOLIS auf Arte stellt jeweils sonnabends um 23.30 Uhr und sonntag um 17.50 Uhr Ereignisse, Persönlichkeiten und Hintergründe der europäischen Kulturszene vor.
Macroscope Film produziert im Auftrag des ZDF dafür acht Magazinfolgen und steuert darüber hinaus auch einige monothematische Sendungen bei. Im Jahr 2001 wurden zum Beispiel drei thematische Schwerpunkte aufbereitet: "Stadtwelten", "Garten-Kunst" und "Kinder".
Die einstündige Sendung hat in den letzten Jahren durch ihren ausgewogenen Mix von internationalen Reportagen, Porträts, Essays und Kommentaren einen hohen Aufmerksamkeitswert innerhalb der europäischen Kulturszene und Fernsehlandschaft erreicht.




