Metropolis - Das Kulturmagazin auf ARTE
Metropolis - Das Kulturmagazin auf ARTE
(1): "Das Narrenschiff"
Autorin: Claudia Mützelfeldt
Das amerikanisch-deutsche Künstlerehepaar Danielle de Picciotto und Alexander Hacke sind dafür bekannt, unkonventionell zu arbeiten und neue künstlerische Formen umzusetzen. Hacke ist Bandmitglied bei den "Einstürzenden Neubauten", Danielle de Picciotto ist Mitbegründerin der Loveparade, aber vor allem bildende Künstlerin. Für ihre neue Performance haben sie sich vom "Narrenschiff" inspirieren lassen.
"Daß Narrenschyff ad Narragoniam " ist das wohl populärste deutsche Buch vor der Reformation. Geschrieben hat es Sebastian Brant (*1458). Es ist eine spätmittelalterliche Moralsatire gegen die Missstände der Zeit: 111 Narren verkörpern menschliche Torheiten und Laster in ihren vielfältigen Ausprägungen durch alle Stände. Sie besteigen ein Schiff auf der Reise nach Narragonien. De Picciotto und Hacke fanden den mittelalterlichen Text politisch, soziologisch und religiös frappierend aktuell. Die Idee eines Schiffes voller Narren, dem Wellengang des Lebens überlassen, das funktioniert als Metapher für die Lebenssituation der Menschheit heute wie vor einigen hundert Jahren. Die Interaktion der Künstler zwischen Text, Musik und Video verbindet einen zeitgemäßen Zugang zu klassischer Literatur, zu traditioneller und elektronischer Musik, Kunst und Film in einem.
(2): It's Not Only Rock 'n' Roll Baby! Es ist noch viel mehr!
Autor: Sebastian Peiter
Kunst und Pop nähern sich einander immer stärker an. Wo ist die Grenze? Gibt es sie noch? Wie viel Unterhaltung darf es geben, wenn es um Erkenntnis geht? Und: Wie tanzbar kann die Kunst sein? "It's Not Only Rock 'n' Roll, Baby", so heißt eine Ausstellung im Beaux Arts Center in Brüssel, die bis zum 14. September den Weg von Pop- und Rockmusikern dokumentiert, welche vor ihrer erfolgreichen Musikkarriere Kunstschulen besucht, zum Teil selbst als bildende Künstler gearbeitet haben. Das prägt die Künstler und ihre Musik.
Brian Eno etwa, früher bei "Roxy Music", oder David Bowie, Annie Lennox und viele andere mehr sind aus Kunstschulen in das Musikbusiness gelangt. Die Ausstellung in Brüssel vereint Musiklegenden und angesagte Musiker der jüngsten Zeit. So sind Werke von Brian Eno, Patti Smith oder Yoko Ono zu sehen, aber auch Arbeiten von The Kills oder Pete Doherty.
Der französische Kurator Jérôme Sans erklärt, wie sich gute Laune und Erkenntnis vertragen. "Metropolis" zeigt die Kultmusiker von Fisherspooner in New York und Chicks on Speed in Berlin. Brian Eno besucht das Kamerateam in Dublin, wo er gerade für U2 das neue Album aufnimmt. Bono, der Sänger der irischen Band mit Weltruf begründet das so: "Wir waren nie auf einer Kunstschule. Deshalb haben wir uns Brian geholt!"
(3): Lukas Maximilian Hüller - Panoramen der Todsünden
Autor: Piet Eekman
Lukas Maximilian Hüller ist ein Wiener Fotograf mit großem Ansehen in der Welt der Kunst. Er hat irgendwann die 360 Grad-Fotografie für sich entdeckt und daraus im Laufe der Zeit sein Markenzeichen gemacht. Seit mehreren Jahren arbeitet er an einem gewaltigen Projekt. Er möchte die sieben Todsünden in Fotografien darstellen. Für jede Todsünde ein Foto. Die Fotos sind gewaltige Inszenierungen mit Dekor und Statisten. Er fotografiert die Szene in ein einziges Foto mit einer speziellen 360 Grad-Kamera.
Die Inszenierung denkt er sich mit seinem langjährigen Brüsseler Freund Etienne Tombeux aus, der so etwas wie der geistige Vater des Projekts ist. Sechs von den sieben Bildern sind schon fertig. Eines fehlt noch. Etienne Tombeux ist sehr schwer krebskrank und wird in den kommenden Wochen sterben. Nun versucht Lukas Hüller im Eiltempo, das letzte Bild fertig zu stellen. Er möchte Etienne Tombeux sogar nach Österreich einfliegen lassen, damit dieser beim Shoot dabei sein kann. "Metropolis" beobachtet die Arbeiten am letzten Bild. Es ist das Bild zum Thema "Neid".
(4): Porträt: Jan Lauwers & Needcompany
Autorin: Sibylle Dahrendorf
Der Belgier Jan Lauwers und die Needcompany vollenden mit der Uraufführung von „Deer House“, das am 28. Juli 2008 im Rahmen der Salzburger Festspiele Premiere hat, die Trilogie „Sad Face“ / „Happy Face“. „Metropolis“ würdigt das Schaffen des Regisseurs und stellt die schillernde Welt von Jan Lauwers vor.
In Salzburg trifft sich anlässlich der Festspiele Jahr für Jahr jedermann. Doch jenseits von Nockerln und „Mozartseligkeit“ gibt es Stücke zu entdecken, für die allein sich der weite Weg an den Alpenrand lohnen dürfte. Der belgische Regisseur und Choreograph Jan Lauwers gehört zu den Meistern seines Fachs: Seine Arbeiten sind märchenhafte Zeitreisen, optische Wunderwerke aus Tanz, Musik und Schauspiel. Er verzaubert sein Publikum wie kein anderer. Standing Ovations sind meist die Reaktionen. Jan Lauwers schuf mit seinen Produktionen „Isabellas Zimmer" und „Der Lobstershop" zuletzt Aufführungen, die sich zwischen zeitgenössischem Tanz, bildender Kunst, Familiendrama und modernem Musical bewegen. Seine neue Arbeit – und damit Vollendung seiner Trilogie über das Wesen des Menschen – wird am 28. Juli im Rahmen der Salzburger Festspiele unter dem Titel „Deer House“ / „Das Hirschhaus" Premiere haben. „Das ist Theater, das lange in Erinnerung bleibt und seine Faszination auch nicht verliert, nachdem der Vorhang längst gefallen ist.“ (Le Soir über „The Lobster Shop“)
(5): Beautiful Bitch – Klaukinder im Film
Autor: Frank Eggers
„Beautiful Bitch“ erzählt die Geschichte der 15jährigen Bica, genannt „Bitch“, die auf den Straßen von Bukarest lebt. Den Versprechungen des ehemaligen Polizisten Cristu folgt sie nach Düsseldorf, um dort in einer Bande von Taschendieben als Kindersklave des Patrons Geld für sich und ihren kleinen Bruder aufzutreiben. Der Regisseur Michael Theo Krieger erzählt realistisch vom harten Schicksal der Klaukinder, eingebettet in die Geschichte einer Mädchenfreundschaft. Doch der Versuch Bicas, neben ihrem Leben als Diebin heimlich eine ganz normale Jugendliche zu sein, droht auf dramatische Weise zu scheitern, als Cristu davon erfährt. „Beautiful Bitch“ startet am 14. August in den Kinos: Ein sensibler Film außerhalb des großen Entertainmentkinos. Beim diesjährigen Filmfestival in Santa Barbara/Kalifornien wurde „Beautiful Bitch“ als bester ausländischer Film ausgezeichnet.
(6): Hotspot - Mode aus dem Milieu: „Red Light Fashion“ in Amsterdam
Autoren: Angi Harrer-Vukorep und Cornelia Cornelsen
De Wallen, so heißt Amsterdams Rotlichtbezirk, ist ebenso berühmt wie berüchtigt für seine Schaufensterprostitution. Die Stadtoberen wollen das Gelände nun aufwerten und entkriminalisieren. Eine ihrer Ideen ist die Ansiedlung von Modemachern und Künstlern in ehemaligen Bordellen. Für 25 Millionen Euro kaufte die Stadt einem Pornokönig 18 Häuser mit insgesamt 51 Fenstern ab. Die Räume stellte Amsterdams Bürgermeister 14 jungen Modemachern zur Verfügung, die auf den Wallen ein Jahr mietfrei arbeiten und verkaufen können. Wo früher Sexarbeiterinnen um Kunden warben, wartet nun exklusive Designermode auf Interessenten. "Red Light Fashion" heißt das Konzept. Doch nun regt sich auch Widerspruch: "Hände weg von den Wallen", steht auf vielen Plakaten zu lesen. Im Viertel formiert sich Protest bei Mietern, Sex- und Coffeeshops, Restaurants und bei den Prostituierten. Sie alle fürchten um ihre Existenz, ums Flair, ums Originale. Die Initiative „Platform 1012“, das ist die Postleitzahl des Rotlichtbezirks, organisiert den Widerstand gegen die Pläne der Stadtväter.
Metropolis
Informationen zur Sendereihe
Das deutsch-französische Kulturmagazin METROPOLIS auf Arte stellt jeweils sonnabends um 23.30 Uhr und sonntag um 17.50 Uhr Ereignisse, Persönlichkeiten und Hintergründe der europäischen Kulturszene vor.
Macroscope Film produziert im Auftrag des ZDF dafür acht Magazinfolgen und steuert darüber hinaus auch einige monothematische Sendungen bei. Im Jahr 2001 wurden zum Beispiel drei thematische Schwerpunkte aufbereitet: "Stadtwelten", "Garten-Kunst" und "Kinder".
Die einstündige Sendung hat in den letzten Jahren durch ihren ausgewogenen Mix von internationalen Reportagen, Porträts, Essays und Kommentaren einen hohen Aufmerksamkeitswert innerhalb der europäischen Kulturszene und Fernsehlandschaft erreicht.




