Metropolis - Das Kulturmagazin auf ARTE
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Mario Vargas Llosa - Der alte Mann und das böse Mädchen
Mario Vargas Llosa ist in diesem Jahr 70 geworden. Und pünktlich zum Geburtstag hat der große peruanische Schriftsteller einen Roman veröffentlicht, der in seiner literarischen Karriere schon eine Sonderstellung einnimmt. „Das böse Mädchen“ (Suhrkamp/Gallimard) ist der erste Liebesroman des sonst sehr politischen Schriftstellers. Und es ist auch sein erster europäischer Roman, der als Kulisse nicht mehr Lateinamerika, sondern Städte wie London, Madrid und vor allem Paris benutzt. Dabei agiert der Ich-Erzähler Ricardo Somocurcio mitten in den politischen und gesellschaftlichen Umwälzungen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts – von den politischen Bewegungen der 50er und 60er Jahre, die zur kubanischen Revolution und zum Aufstand der 68er-Generation führen, zu dem demokratischen Aufbruch Spaniens nach dem Ende der Francodiktatur über die Hippiebewegung in der britischen Hauptstadt der 70er. Vargas Llosa malt ein Fresko dieser Zeit und erzählt davor die romantische Liebesgeschichte des Protagonisten zum „bösen Mädchen“ Lilly. Sie ist deshalb böse, weil Ricardo und alle anderen Männer, die ihren Weg kreuzen, zu Opfern ihrer Sucht nach Reichtum und sozialer Anerkennung werden. Vargas Llosa bezeichnet sein neues Buch als autobiographisch. Auch er lebt zwischen Madrid, London und Paris, auch er ist, wie Ricardo, von diesen Städten fasziniert. Gleichzeitig bedeutet für ihn die Beschreibung der gesellschaftlichen Veränderungen dieser Zeit Abschied nehmen - Abschied von revolutionären Träumen, Abschied von der sorgenfreien Hippie-Bewegung, Abschied von der Naivität des demokratischen Aufbruchs im Spanien der 80er Jahre und von dem politischen Engagement des Autors in seinem eigenen Land am Ende der Dekade. „Das böse Mädchen“ ist ein Bekenntnis. Nur die Liebe bleibt, scheint uns Vargas Llosa sagen zu wollen, eine Liebe, die Leiden voraussetzt und erst im Alter in Erfüllung geht.
Rumänien – wie frei ist die Presse wirklich in der jungen Demokratie?
Der Fotograf Razvan Voiculescu arbeitet für viele Zeitungen und porträtiert seit Jahren Menschen und Landschaften Rumäniens. Er kennt auch die Medienlandschaft des Landes wie kaum ein anderer. Trotz der formalen Demokratisierung - Immer noch wird die Presse von einigen Mächtigen regiert. Immer noch gibt es kaum kritische Presse. Immer noch leiden Journalisten unter Gängelung und Sanktionen. Viele, die heute das Sagen haben, waren schon in kommunistischer Zeit für die Medien tätig. Nach dem Umsturz 1989 gelang es einigen von ihnen, wichtige Zeitungen unter ihre Leitung zu bringen und TV-Anstalten zu gründen. So entstand ein undurchsichtiges Netz einflussreicher Gruppen, die mit Hilfe der Medien ihre Interessen durchsetzen. Kurz vor dem EU-Beitritt Rumäniens am 1.1.07 kommt jetzt Bewegung in die Presselandschaft. So erregt eine neue Tageszeitung mit dem programmatischen Namen „Gandul“ / „Gedanke“ Aufsehen. „Gandul“ ist ein kritisches Blatt, in dem viele junge Journalisten schreiben, die einer Generation angehören, die nicht mehr vom Ceausescu-Regime geprägt wurde. Ähnlich wie „Gandul“ wendet sich auch das Monatsjournal „Plai cu boi“ („Landschaft mit Ochsen“) an eine kritische Öffentlichkeit. Metropolis nimmt an einer Redaktionskonferenz von „Gandul“ teil, spricht mit jungen Journalisten über die Situation der Medien und durchstreift Bukarest gemeinsam mit Razvan Voiculescu, der gerade an einem Bildband über seine Stadt arbeitet. Er führt uns an Orte, die an die Zeit der Diktatur und die Revolution erinnern. Außerdem sprechen wir mit Rumäniens Theater- und Filmschauspielerin Maja Morgenstern, die als scharfe Kritikerin des neuen Staates und des Mediensystems gilt.
Kunst hinter Gittern
In diesem Atelier malen psychisch schwer gestörte Straftäter, darunter Vergewaltiger, Sadisten, Frauenmörder. Es ist das erste freie Atelier in einer Forensischen Klinik. Leiterin ist Rebekka Schulte. Der „magische Ort“, so nennt die Diplom-Designerin ihre Räume mitten im Sicher¬heitstrakt von Eickelborn, habe unter den Straftätern eine „Atmosphäre des Respekts“ geschaffen. Und viele Kriminelle nutzen die Möglichkeit, die brutalen Fantasien, die sie überwältigen, mittels der Bilder und Skulpturen auszudrücken und zu kanalisieren. Wer genau hinsieht, dem zeigen diese Arbeiten das Innere der zum Teil schwer gestörten Persönlichkeiten. Bei einem ehemaligen Frauenmörder zum Beispiel erscheinen die weiblichen Darstellungen auf den Zeichnungen immer wieder fragmentiert. Für die Gefangenen geht es im Atelier nicht um festgesteckte Ziele, sondern um die Konfrontation mit dem Selbst. So führt die Beschäftigung mit Kunst nicht nur zur ernsthaften Auseinander¬setzung mit dem eigenen kreativen Potential, sondern errichtet auch einen bewussten und unbewussten Spiegel der Seele. Am 5.Oktober öffnete sich das Atelier einer Hochschulgruppe Bielefelder Kunststudenten. Metropolis war bei dem ungewöhnlichen Treffen von Studenten und Straftätern dabei.
Exzellenzinitiative und die Folgen
Die Exzellenzinitiative hat den Wettbewerb in Deutschlands Forschung getragen. Drei Universitäten dürfen sich nun als Elitehochschulen fühlen, folgt man den Auswahlkriterien des Wissenschaftsrats, der die Spitzenforschung honorieren will. Exzellenz und Elite? Die Begriffe sind kaum jemandem verdächtig. Verhalten tönt die Kritik der Geisteswissenschaftler, die sich bei der Auswahl der Universitäten übergangen fühlen und vorerst nichts vom Geld und Ruhm abbekommen, die den Siegern winken. Wird es unter den Universitäten künftig reiche und arme Hochschulen geben, Elite und Elend? Werden Bildungseinrichtungen künftig vom Wettbewerb beherrscht und geprägt von Kategorien wie oben und unten, Gewinnern und Verlierern? Was wären die Konsequenzen? METROPOLIS spricht mit Vertretern aus Bildung und Kultur.
Die IMAGO 1:1 — eine begehbare Kamera in Wien
Die Kamera IMAGO 1:1 war 30 Jahre lang eingemottet. Jetzt ist sie in Wien wieder zu sehen – und zu benutzen . Die IMAGO ist viel mehr als eine Kamera, sie ist ein begehbares Kunstprojekt (7m x 4m x 3m), in dessen Innenraum man sein eigenes Spiegelbild betrachten und fotografieren kann. Das Foto, das dabei entsteht, hat Lebensgröße. Der Physiker Werner Kraus, der Erfinder der Kamera, und seine Tochter Susanna haben exklusiv für METROPOLIS die Kamera wieder in Gang gesetzt. Zur Zeit werden Kamera und viele Original-Bilder aus den Siebzigern im „Freiraum“ des Museumsquartiers in Wien gezeigt. Danach soll die Kamera europaweit auf Reise in verschiedene Städte gehen.
Report:
Basel, The House is Burning, Cat Stevens
Noch bis zum 18. Februar 2007 findet in der Fondation Beyeler zu Basel die Ausstellung „Eros in der Kunst der Moderne“ statt. Sie zeigt mit über 200 Werken, darunter viele Klassiker der Moderne, die verschiedenen Facetten der Erotik, von Lust und Begehren. Metropolis lässt sich dieses Fest der Sinnlichkeit nicht entgehen. Außerdem: Der Film „The House is Burning“ vom Regisseur Holger Ernst. Sein Spielfilm-Debüt wurde mit amerikanischen Darstellern in Amerika gedreht .- ein Beispiel dafür, wie sich das junge Kino Deutschlands am internationalen Markt ausrichtet. Und: Yusuf Islam, früher bekannt als Cat Stevens, meldet sich mit einer neuen Platte am Firmament des Pops zurück. Sie klingt, als wäre die Zeit seit seiner letzten Veröffentlichung eingefroren gewesen. Ab 11. Dezember steht der Künstler auch wieder auf der Bühne – mit akustischer Seelenmassage.
Metropolis
Informationen zur Sendereihe
Das deutsch-französische Kulturmagazin METROPOLIS auf Arte stellt jeweils sonnabends um 23.30 Uhr und sonntag um 17.50 Uhr Ereignisse, Persönlichkeiten und Hintergründe der europäischen Kulturszene vor.
Macroscope Film produziert im Auftrag des ZDF dafür acht Magazinfolgen und steuert darüber hinaus auch einige monothematische Sendungen bei. Im Jahr 2001 wurden zum Beispiel drei thematische Schwerpunkte aufbereitet: "Stadtwelten", "Garten-Kunst" und "Kinder".
Die einstündige Sendung hat in den letzten Jahren durch ihren ausgewogenen Mix von internationalen Reportagen, Porträts, Essays und Kommentaren einen hohen Aufmerksamkeitswert innerhalb der europäischen Kulturszene und Fernsehlandschaft erreicht.




