Metropolis - Das Kulturmagazin auf ARTE
Metropolis - Das Kulturmagazin auf ARTE
Philip Treacy und Isabella Blow
Autorin: Marion von Boxberg
Möglicherweise wäre aus Philip Treacy, der im irischen County Galway aufwuchs, “ein richtiger Junge” geworden, so die zynischen Nachbarn, hätte es nicht gegenüber der elterlichen Wohnung eine Kirche gegeben, vor deren Toren am Wochenende Bräute bezaubernde Hüte und Kleider präsentierten. Die Kreationen beflügelten seine Phantasie, und aus den Federn der Enten und Hühner, die seine Mutter unentwegt fütterte, entstanden Hüte und Kleidchen für die Puppen seiner Schwester.
Heute entwirft Philip Treacy Modelle für die Haute-Couture-Kollektionen berühmter Modehäuser wie Chanel, Versace, McQueen. Seine ersten Entdecker waren Karl Lagerfeld und Isabella Blow. Die Kreativdirektorin der amerikanischen Vogue und Vogue Italia beeinflusste Treacys Karriere entscheidend. Blow stellte Treacy nicht nur ihr Londoner Haus zur Verfügung, sie war auch stets seine Freundin und Vertraute. Viele seiner surrealen und bildhauerisch anmutenden Hüte entwarf er für seine Mentorin.
Eine Ausstellung vom 6.Februar 2007 bis zum 9.April 2007 im Düsseldorfer NRW-Forum beleuchtet die Zusammenarbeit von Treacy und Blow. Anlass für Metropolis, das kreative Gespann in London zu besuchen.
Kommentar: Christian Petzold zum „Deutschen“ im deutschen Film
Autor: Ralph Eue
Sein neuer Film "Yella" ist der (bisher) einzige deutsche Beitrag auf der Berlinale 2007, der für den Wettbewerb ausgewählt wurde. Die Franzosen handeln Christian Petzold gern als den Erben und Fortführer des alten 'Neuen Deutschen Films' der siebziger Jahre, als Fassbinder, Wenders oder Herzog für Furore sorgten. Petzolds neuer Film nun ist wieder ein seltsames Märchen - wie schon 'Wolfsburg' und 'Gespenster'. Diesmal geht es um Untote, was sowohl auf „Nosferatu“ wie auf' „Die Nacht der reitenden Leichen“ verweist. Spielt seine deutsche Herkunft für Christian Petzold eine Rolle? Oder sieht er sich eher als Vertreter einer klassischen Moderne im Film, die international geprägt ist? Wie „deutsch“ ist der deutsche Film? Vielleicht gefällt Petzold, was Humphrey Bogart, als er mal in einem Film nach seiner Nationalität gefragt wurde, antwortete: Raucher und Trinker!
Amélie Nothomb – Hunger nach Leben
Autor: Gero von Boehm
Sie ist ein gefeierter Star der zeitgenössischen Literatur. Ihre Bücher werden in 39 Sprachen übersetzt, und jede Neuerscheinung erregt die Gemüter weltweit. Amélie Nothombs Romane werden abgöttisch geliebt oder grundsätzlich verrissen. Wie ihre Kollegen Michel Houllebecq, Bret Easton Ellis oder James Ellroy polarisiert sie die Literaturszene. Die exzentrische Belgierin braucht das Schreiben wie die Luft zum Atmen. Sie hat nach eigener Aussage schon über 50 Romane verfasst, von denen sie jährlich allerdings nur einen veröffentlicht. In Deutschland erscheint im März ihr vorletztes Buch, „Reality-Show“. Das Werk sorgte in Frankreich für einen Eklat: Nothomb macht darin den Big-Brother-Container zum KZ. Die Kandidaten werden vor laufender Kamera von Kapos erniedrigt und scheiden schließlich nicht nur aus dem Spiel, sondern aus dem Leben aus. In Frankreich erschien im letzten September „Journal d’Hirondelle“, der lakonische Bericht eines Auftragsmörders, der nur wenn er tötet, sexuell befriedigt ist. Beide Bücher erweitern das literarische Universum der Autorin, das bisher autobiographisch angelegt war. Wer ist Amélie Nothomb heute, nach 17 Romanen, vielen Preisen und einer kometenhaften Karriere? Wer versteckt sich hinter den stilisierten Masken ihres öffentlichen Auftretens? Metropolis porträtiert Amélie Nothomb in Nahaufnahme.
Berlinale 2007 – auch ein Festival des jungen Kinos
Autorin: Sibylle Dahrendorf
Die Berlinale 2007 geht am Abend der Sendung mit der Vergabe der Goldenen und Silbernen Bären sowie der Spezialpreise zu Ende. Metropolis hat sich dieses Jahr weniger an die Fersen der großen Stars und Altmeister des Kinos wie Robert de Niro oder Clint Eastwood geheftet, sondern hat versucht, die jungen Themen und die jungen Macher im Programm aufzuspüren. Mit frischen Kräften werfen wir auch einen Blick auf das Kino von morgen. Mit dabei: der brasilianische Regisseur Cao Hamburger, dessen bewegender Film „Das Jahr, als meine Eltern im Urlaub waren“ kurzfristig aus dem Festivalprogramm für Kids in den Wettbewerb der Berlinale aufgenommen wurde, und die blinde Pädagogin Sabriye Tenberken, die im Dokumentarfilm „Blindsight“ gemeinsam mit blinden Kindern den Mount Everest bezwingen wollte. Außerdem: junges Kino aus Ungarn und aus Deutschland.
Armin Mueller-Stahl – Szene und Zeichnung
Autor: Thomas Querengässer
Auf der Leinwand ist er einer der ganz Großen, das wissen wir. Zudem ist er studierter Konzertgeiger und Schriftsteller. Die Ausstellung „Szene und Zeichnung“ zeigt nun eine weitgehend unbekannte Facette seines künstlerischen Schaffens. In den Drehpausen zum Film „Utz“ hat Armin Mueller-Stahl die Drehbuchseiten bemalt. Er zeichnete Portraits seiner Kollegen am Set oder andere Schauspieler wie Walter Matthau, den er sich in der Rolle des Porzellansammlers Baron Kaspar von Utz vorstellte. Auch finden sich Reaktionen auf das aktuelle Zeitgeschehen während der Filmaufnahmen im Frühjahr 1991. Für Mueller-Stahl sind die Zeichnungen ein Spiegel seines Inneren: „An schweren Tagen in der Stimmungslage ist es ein harter Strich, schwarze Striche. An leichten Tagen leichte Striche.“ Auf diese Weise ist eine Art Seelentagebuch des Hollywood-Stars entstanden. Die Ausstellung läuft noch bis zum 15. April 2007 im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg.
Antikenschmuggel auf Schinousa
Autor: Christoph Spielberger
Die Razzia der griechischen Polizei auf der kleinen Kykladeninsel Schinousa im April 2006 hat einen international operierenden Ring von Händlern mit illegalen Antiken zu Tage gefördert. Das große Haus mit riesigen Anwesen diente wohl nur als Zwischenlager für Hunderte von antiken Kunstwerken aus Raubgrabungen und anderer illegaler Herkunft. Am Privatstrand der Villa legten über Jahre Boote an und ab, brachten und holten große Kisten. Die Inselbewohner fanden das merkwürdig, fragten aber nicht nach, weil die Besitzer der Villa, der Londoner Kunsthändler Robin Symes und sein Gefährte Christos Michalidis, sich auf Schinousa als großzügige Arbeitgeber und Gönner zeigten.
Symes belieferte auch das Getty Museum. Ins Rollen gebracht wurde die Sache durch eine Razzia in der Villa der entlassenen Getty-Kuratorin Marion True auf der benachbarten Insel Paros, auch dort wurden illegale Antiken beschlagnahmt.
Nun werden vier Mitglieder der griechischen Reederfamilie Papadimitriou angeklagt, diesen Antikenhandel mit 17 Millionen Dollar finanziert zu haben. Die Familie betrieb nach dem Tod von Michalidis die Enteignung und Verurteilung von Symes, weil er das „Betriebsvermögen“ aus dem Antikenhandel allein für sich beanspruchte.
Metropolis
Informationen zur Sendereihe
Das deutsch-französische Kulturmagazin METROPOLIS auf Arte stellt jeweils sonnabends um 23.30 Uhr und sonntag um 17.50 Uhr Ereignisse, Persönlichkeiten und Hintergründe der europäischen Kulturszene vor.
Macroscope Film produziert im Auftrag des ZDF dafür acht Magazinfolgen und steuert darüber hinaus auch einige monothematische Sendungen bei. Im Jahr 2001 wurden zum Beispiel drei thematische Schwerpunkte aufbereitet: "Stadtwelten", "Garten-Kunst" und "Kinder".
Die einstündige Sendung hat in den letzten Jahren durch ihren ausgewogenen Mix von internationalen Reportagen, Porträts, Essays und Kommentaren einen hohen Aufmerksamkeitswert innerhalb der europäischen Kulturszene und Fernsehlandschaft erreicht.




