Metropolis - Das Kulturmagazin auf ARTE
Metropolis - Das Kulturmagazin auf ARTE
Interview: Claude Chabrol zum 75. Geburtstag
Claude Chabrol wurde am 24. Juni 1930 in Paris geboren. Nach dem Studium der Literatur und einigen Semestern Jura und Pharmazie gehörte er bald dem Cineasten-Zirkel um André Bazin an, schrieb Kritiken für die Cahiers du Cinéma. 1957 drehte er mit eigenen Mitteln und ohne je eine Filmhochschule besucht zu haben seinen Debütfilm. Le beau Serge gilt als einer der ersten Filme der „nouvelle vague“. Chabrols großes Thema wurde die Fassadenwelt des Bürgertums, die er lustvoll seziert, um dahinter Abgründe aus Hass und Gier zu entdecken. Dem Vagen und Unberechenbaren des Bösen gilt seine besondere Faszination. Gefesselt von den Verwerfungen seiner Charaktere bleibt Claude Chabrol stets ein Analytiker unausgesprochener Beweggründe. Seit nunmehr fast 50 Jahre dreht der Altmeister des französischen Kinos ohne Pausen, zuletzt La demoiselle d’honneur (2004). Sein Geburtstag bietet uns den Anlass, um mit Claude Chabrol über das Böse und die Moral, Eitelkeit und Erfolg, Bürgerlichkeit und Filmkultur in Frankreich zu sprechen.
Literatur:
- Claude Chabrol – Wie man einen Film macht. Autorenhaus Verlag, 2004
DVD Tipp:
- Claude Chabrol Collection – 3fach DVD Box, (Filme: Das Leben ist ein Spiel, Süßes Gift, Die Blume des Bösen), Concorde Home Entertainment 2005
Porträt: Bettina Rheims
„Chambre Close“ heißt der Bilderzyklus, der die Fotografin Bettina Rheims weltberühmt machte. Erotische Fotografien von Frauen, die in Pariser Hotelzimmern selbstbewusst vor einem imaginären Voyeur posieren. Rheims zeigt die Frauen in aufreizenden Posen, doch nie als Opfer männlicher Phantasien. Ihre Modelle strahlen immer Selbstbewusstsein aus - das Wissen um ihre eigene Attraktivität.
Bettina Rheims hat ihre Kunst der Schönheit und den Frauen verschrieben. Sie nimmt gängige Klischees der Pin Up Fotografie auf und verwandelt sie in atmosphärische Portraits individueller Persönlichkeiten. Ihr Stil wurde millionenfach kopiert und sie selbst gilt als wichtigste Fotografin weiblicher Akte. Ihre Bilder erscheinen in allen großen Magazinen, und ihre Ausstellungen ziehen weltweit in Scharen die Besucher an. Bis zum 28.8. zeigt das NRW-Forum die Ausstellung "Bettina Rheims - Retrospektive", die danach in Brüssel zu sehen sein wird. METROPOLIS hat die Fotografin in Paris besucht.
Literatur:
- Bettina Rheims – Retrospective. Schirmer/Mosel Verlag 2004
Das Comeback von Nine Inch Nails
Nine Inch Nails sind wieder da. Nine Inch Nails, das ist im Grunde nur ein Mann: Trent Reznor, der "vielleicht unbekannteste Superstar der Rockgeschichte" (SZ). Seine Platten trieben den Sound der Weltschmerz-Genres wie Gothic, Industrial, Metal in einer donnernden Mixtur in Bereiche, die nur vom Produktionsgenie dieses Workaholics gebändigt werden konnten. Nach langer Drogenabhängigkeit und sechs Jahren Kreativpause ist Reznor jetzt clean und überrascht auf seiner neuen Platte "With Teeth" mit einer Kursänderung hin zum Pop. Doch das bedeutet nicht, dass das Album nicht druckvoll sei. Gleichfalls wird erstmals bei Reznor eine politische Position deutlich: Als er kürzlich bei den MTV Awards nicht vor einem Bush-Porträt auftreten durfte, sagte er kurzerhand den Gig ab. Nun sind Nine Inch Nails wieder auf Tour. METROPOLIS ist dabei.
CD-Tipp:
Nine Inch Nails – With Teeth (Limited Tour Edition als DoppelCD)
Universal Music 2005
Link: www.nin.com
Ereignis: Art Basel 2005 - The International Art Fair
Einmal im Jahr treffen sich in der Schweiz Künstler, Galeristen, Sammler, Kuratoren, Kritiker und Kunstliebhaber aus allen Kontinenten auf der Suche nach großer Kunst und guten Geschäften. Die ART BASEL ist nicht allein die traditionsreichste, sondern auch die umsatzstärkste internationale Messe für moderne Kunst. Bluechips der Kunstwelt werden hier ebenso gehandelt wie neue Künstler entdeckt. Neben der offiziellen Schau und der „Liste“, einer Präsentation junger Künstler und neuer Galerien, die zum zehnten Mal stattfindet, gründet sich mit der VOLTAshow 01 in diesem Jahr erstmals ein neues Forum. Im ehemaligen Elektrizitätswerk am Rhein wollen die Initiatoren laut einer Pressemitteilung eine non-profit-Kunstmesse „von Galerien für Galerien“ veranstalten. Eine sinnvolle Ergänzung des Programms? Die ART BASEL findet vom 15. bis 20. Juni statt. METROPOLIS sichtet die Kunst der Gegenwart und fragt, auch wenn das sonst nicht fein ist, nach ihrem Preis.
Links: www.art.ch oder www.artbasel.com
Reportage: Karneval in Santiago de Cuba
Die Congas sind das Hauptinstrument der Festzüge. Sie stammen noch aus der Sklavenzeit Kubas und schlugen auch den Rhythmus, als am 26. Juli 1953 der junge Fidel Castro mit sein Kämpfern genau an jenem Tag die Moncada-Kaserne stürmte, an dem man auf Kuba traditionell den Karneval begeht. Zwar schlug dieser erste Putsch fehl, denn erst 1959 gelang Castros Rebellen der Umsturz. Doch wird auf Kuba der 26. Juli als „Tag der Revolution“ gefeiert. Und er bildet Jahr für Jahr den Höhepunkt des Karnevals, denn an diesem Tag verwandelt sich Santiago de Cuba in ein Meer aus Farben, Musik und grenzenloser Heiterkeit. Im Gegensatz zu dem glamourösen Spektakel in Brasilien feiert man auf Kuba einfacher und noch intensiver. Die Menschen sind arm, aber in jedem Stadtteil wird in der Vorkarnevalszeit ununterbrochen an Kostümen gearbeitet, werden Choreographien und Gesänge geprobt. Es herrscht eine fröhliche Konkurrenz unter den Stadtteilen, und beim großen Finale, dem Jurado, will jeder ganz vorne mit dabei sein und gewinnen, denn die schönsten Ideen werden prämiiert. Die Tradition, die dahinter steckt, ist weniger heiter und geht zurück auf die Sklavenzeit Kubas: Damals wurde den Schwarzen einmal im Jahr erlaubt, sich mit Sklaven anderer Plantagen zu treffen. Doch sie waren mit Fußketten gefesselt. Ihre Tänze waren deshalb auf kurze, rhythmische Schritte begrenzt. Und dieser Schritt gibt dem gesamten Umzug der „Santiagueros“ immer noch den besonderen Charakter. Metropolis begleitet die Menschen im Stadtteil San Pedrito von den Karnevals-Vorbereitungen bis zum großen Finale.
Fest:
Carneval de Santiago de Cuba
18. bis 28. Juli 2005
Links:
www.santiago-de-cuba.info
www.cuba.com
www.kuba-info.org
Don Quijote - 400 Jahre
400 Jahre alt und kein bisschen verstaubt: Im Januar 1605 veröffentlichte Miguel de Cervantes seinen monumentalen Roman "Don Quixote de La Mancha" - die Geschichte des Ritters von der traurigen Gestalt, der auf seinem klapprigen Gaul Rosinante über die trockenen Ebenen von "La Mancha" reitet, immer begleitet von dem treuen Knappen Sancho Pansa, immer auf der Suche nach Abenteuern. Stets ist er bereit, für Freiheit und Gerechtigkeit seine rostige Lanze zu schwingen. Schließich geht es um die Ehre.
Dabei verliert sich der tapfere Rittersmann oft in Phantasiewelten: Die Windmühlen von "La Mancha" hält er für gefährliche Riesen, harmlose Schafsherden für gegnerische Heere. Jedes Schulkind kennt seine tragik-komischen Abenteuer. Metropolis geht der Frage nach: Warum gehört der verrückte Ritter Don Quixote auch 400 Jahre nach der Erstveröffentlichung des Romans zu den populärsten Figuren der Weltliteratur?
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Metropolis
Informationen zur Sendereihe
Das deutsch-französische Kulturmagazin METROPOLIS auf Arte stellt jeweils sonnabends um 23.30 Uhr und sonntag um 17.50 Uhr Ereignisse, Persönlichkeiten und Hintergründe der europäischen Kulturszene vor.
Macroscope Film produziert im Auftrag des ZDF dafür acht Magazinfolgen und steuert darüber hinaus auch einige monothematische Sendungen bei. Im Jahr 2001 wurden zum Beispiel drei thematische Schwerpunkte aufbereitet: "Stadtwelten", "Garten-Kunst" und "Kinder".
Die einstündige Sendung hat in den letzten Jahren durch ihren ausgewogenen Mix von internationalen Reportagen, Porträts, Essays und Kommentaren einen hohen Aufmerksamkeitswert innerhalb der europäischen Kulturszene und Fernsehlandschaft erreicht.




