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Metropolis - Das Kulturmagazin auf ARTE

ARTE Sa 27.10.07, 20:00 Uhr

Metropolis - Das Kulturmagazin auf ARTE
Unter anderem mit folgenden Beiträgen:

Die Monks – ein vergessenes Stück deutsch-amerikanischer Popgeschichte kehrt zurück
Autorin: Annika Seiffert
Die Monks sind die erste Avantgarde Band der Popgeschichte: Fünf ehemalige amerikanische GIs, die während des kalten Krieges in der Bundesrepublik Deutschland stationiert waren. Bekannt geworden sind die Monks in den 60er Jahren als Anti-Beatles: in schwarzen, schmalen Anzügen, mit Galgenstricken um den Hals und mit Mönchstonsur lehrten sie vor dem Hintergrund des Kalten Kriegs die Revolution. Die fünf jungen Bandmitglieder betraten mit der ständigen Angst vorm Einsatz in Vietnam oder dem Dritten Weltkrieg im Rücken völlig neues musikalisches Terrain. Jetzt erklärt der Dokumentarfilm „monks-the transaltantic feedback“ von Dietmar Post und Lucia Palacios ein kulturhistorisches Phänomen, das so zu dieser Zeit nur in Deutschland entstehen konnte. Und die Monks kommen auf Tour: Mittlerweile um die 65 Jahre alt, haben sie nichts von ihrem innovativen Sound verloren.

Gadala Cubara - Filmemacher im Sudan
Autorin: Nadja Korinth
In Afrika Filme zu produzieren hat oft wenig zu tun mit der Kinoarbeit in westlichen Ländern. Keine staatlichen Fördermittel. Keine Unterstützung durchs Fernsehen. Keine Filmszene, die sich gegenseitig weiterbringt. Gadala Gubara ist einer der Pioniere des afrikanischen Kinos. Ausgebildet in Los Angeles, macht er seit den Fünfziger Jahren Spiel- und Dokumentarfilme im Sudan. Er hat auch gemeinsam mit Leni Riefenstahl an deren Film „Die Nuba“ gearbeitet. Nun ist er 87 Jahre alt und seit einigen Jahren blind. Trotzdem hat der Regisseur jetzt eine afrikanische Version von „Les Miserables“ gedreht, mit Hilfe seiner Tochter Sara. Sie ist die erste Frau des Sudans, die Kino studiert hat. Sie war früher eine international bekannte Schwimmerin. Heute braucht sie Krücken, denn seit ihrer Kindheit leidet sie an Kinderlähmung. Um „Les Miserable“ zu drehen, mussten Vater und Tochter gemeinsam alle Kräfte mobilisieren: die Regierung hatte Gubaras Filmstudio 1998 als Bauland beschlagnahmt und ihn verhaftet. Seit seiner Freilassung haben Sara und er 5 Jahre gekämpft, um es wieder zu bekommen. Ihr Film nun ist der erste 35mm-Film seit fast zehn Jahren, der im Sudan gedreht wurde. Das französische Kulturzentrum in Khartoum hat das Filmmaterial gespendet, der Iran die Entwicklung und Abtastung bezahlt. Um die Zensur zu passieren, kommt diese Version von „Les Miserables“ am Ende ohne Revolution aus. Gadala hofft, noch einmal an Erfolge von früher anzuknüpfen, als seine Filme auf der Berlinale und in Cannes liefen. Metropolis zeigt, wie trotz widrigster Bedingungen Filme entstehen können – ein bewegendes Porträt.

Wiedereröffnung der Anna Amalia-Bibliothek
Autor: Peter Bardehle
Vor drei Jahren brannte die wichtigste Bibliothek der deutschen Klassik in Weimar lichterloh, ausgelöst durch ein verschmortes Kabel hinter einer Wandtäfelung. 50.000 Werke der berühmten Sammlung verbrannten, die Asche wehte kilometerweit in die Vororte von Weimar. Während über 100 Feuerwehrleute versuchten, die Flammen zu löschen, wurde der größte Teil der wertvollen Bibliothek in einer dramatischen Rettungsaktion von Anwohnern und Mitarbeitern der Bibliothek in Sicherheit gebracht. Viele Bücher konnten nur beschädigt geborgen werden. Davon wurde ein großer Teil aufwendig restauriert. Trotzdem: Wenn die Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar am 24.Oktober 2007 wiedereröffnet wird, werden Herzstücke deutscher Kulturgeschichte fehlen. Für immer …


Georg Forsters „Reise um die Welt“ – ein Klassiker der Reiseliteratur erscheint neu
Autor: Frank Vorpahl
Die diesjährige Frankfurter Buchmesse wartet mit einem besonderen kulturpolitischen Ereignis auf: „Die Andere Bibliothek“ – seit Jahrzehnten Deutschlands anspruchvollste Buchreihe - wird von ihrem Erfinder Hans Magnus Enzensberger an ein hochkarätiges Herausgebergespann übergeben: den früheren Kulturstaatsminister Michael Naumann und den renommierten Publizisten Klaus Harpprecht. Den Neustart der illustren Reihe auf der Buchmesse wird ein aufregendes und zugleich programmatisches Werk machen: Georg Forsters „Reise um die Welt“ – die wieder entdeckte Beschreibung der zweiten Weltumseglung des britischen Seefahrers Captain James Cook und seiner deutschen Reisebegleiter in den Jahren 1772 und 1775. Damit setzt „Die Andere Bibliothek“ nach Humboldt nunmehr dessen Lehrer und Freund Georg Forster – den Begründer der wissenschaftlichen Reiseliteratur und der modernen Völkerkunde – auf die Tagesordnung. Zur literarischen Sensation wird die abenteuerliche Entdeckungsgeschichte auch durch die Erstveröffentlichung von 100 großartigen Naturzeichnungen, die Georg Forster während der lebensgefährlichen dreijährigen Reise in die unbekannten Weiten der Südsee anfertigte. Diese bislang unbekannten botanischen und zoologischen Blätter waren fast 250 Jahre lang im Dunkel Londoner Archive verschwunden. Jetzt vervollständigen sie das Bild der aufregendsten Entdeckungsfahrt ihres Zeitalters. Besondere Aktualität gewinnt Forsters Chronik im heutigen Zeitalter der Globalisierung durch eine humanistisch-aufgeklärte Weltsicht, die die Chancen und Risiken beim Zusammenprall der Kulturen scharfsichtig vorwegnimmt.


Fritz Stern - Fünf Deutschland und ein Leben
Autor: Jean Boué
Fritz Sterns neustes Werk wird ein Bestseller. Das verspricht auch der Rummel um den Historiker bei der Frankfurter Buchmesse und die Präsentation seines Buches im Französischen Dom vor geladenen Gästen. „Fünf Deutschland und ein Leben“, so der Titel, ist nicht nur eine grandiose Analyse der jüngeren deutschen Geschichte, sondern vor allem die persönliche Geschichte von Fritz Stern. Er verwebt in diesem Lebenswerk Erfahrungen und Betrachtungen jener fünf Deutschlands, die er erlebt hat: Weimarer Republik, Drittes Reich, DDR, BRD und das wiedervereinigte Deutschland nach 1989. Metropolis begleitet Fritz Stern bei der Buchmesse in Frankfurt, besucht ihn aber auch fernab des Rummels zu Hause, in New York. Uns erklärt er, warum es ihm wichtig ist, dass die Deutschen seine Betrachtungen lesen und verstehen. Stern ist davon überzeugt, dass schon das 20. Jahrhundert das Jahrhundert der Deutschen hätte werden können. Das nun angebrochene Jahrhundert sieht er als "eine zweite Chance" an. Geschichte sieht Stern als Lehrmeisterin für ein moralisches Leben an. Doch Fritz Stern ist nicht nur Analyst und Kommentator – er ist auch Zeitzeuge und Betroffener. Als Kind konvertierter Juden musste er Deutschland verlassen. Heute wird er von den Deutschen als amerikanischer Historiker gefeiert. Aber wie sieht sich Stern selbst? Amerikaner, Deutscher, Jude? Fünfmal Deutschland, einmal leben...


Ursprünge der Seidenstraße
Autor: Frank Eggers
Der als „Seidenstraße“ mythisch verklärte Handelsweg war eigentlich ein Netz von Karavanenrouten und Wegen. Im Wüstensand des Tarimbeckens, in der heutigen Uigurischen Autonomen Republik Xinjiang, wird jedoch sein Ursprung vermutet. Eine Ausstellung im Berliner Martin Gropius-Bau zeigt nun erstmals außerhalb Chinas Artefakte, die das Leben der Nomaden in der Wüstenregion eindrucksvoll belegen. Der einmalige Erhaltungszustand der Ausstellungsstücke ist auf die Besonderheit des Klimas und des Bodens dort zurückzuführen. Die Ausstellung entwirft ein noch nie erlebtes, ungemein farbiges Bild der Frühzeit. Zu sehen ist, dass China damals, vor viertausend Jahren, ein Schmelztiegel unterschiedlicher Völker war. Denn nicht nur eine, sondern Dutzende von bislang unbekannten Kulturen traten seit den 80er Jahren bei Ausgrabungen in Westchina in Erscheinung. Diese Ausstellung muss man gesehen haben!

Metropolis


Informationen zur Sendereihe

Das deutsch-französische Kulturmagazin METROPOLIS auf Arte stellt jeweils sonnabends um 23.30 Uhr und sonntag um 17.50 Uhr Ereignisse, Persönlichkeiten und Hintergründe der europäischen Kulturszene vor.

Macroscope Film produziert im Auftrag des ZDF dafür acht Magazinfolgen und steuert darüber hinaus auch einige monothematische Sendungen bei. Im Jahr 2001 wurden zum Beispiel drei thematische Schwerpunkte aufbereitet: "Stadtwelten", "Garten-Kunst" und "Kinder".

Die einstündige Sendung hat in den letzten Jahren durch ihren ausgewogenen Mix von internationalen Reportagen, Porträts, Essays und Kommentaren einen hohen Aufmerksamkeitswert innerhalb der europäischen Kulturszene und Fernsehlandschaft erreicht.

Sendungsarchiv

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