Metropolis - Das Kulturmagazin auf ARTE
Metropolis - Das Kulturmagazin auf ARTE
Unter anderem mit folgenden Beiträgen:
Eine temporäre Kunsthalle für Berlin
Autorin: Annika Seiffert
Paris hat eine, London hat eine, München, Hamburg, Bremen und viele andere Städte auch. Nur in Berlin, der Boomtown der internationalen Kunstszene, fehlt sie: die Kunsthalle. Platz wäre da, und zwar genau in Berlins Mitte. Wo noch der Palast der Republik, einst Sitz der Volkskammer der DDR, abgerissen wird und in einigen Jahren das Berliner Stadtschloss neu aufgebaut werden soll, wird lange Brachland sein. Der köntne eine temporäre Kunsthalle gebaut werden, dachten sich die Künstlerin Coco Kühn und die Kulturmanagerin Constanze Kleiner. Nach vielen Diskussionen und einem Architekturwettbewerb der Kunstzeitschrift Monopol wird es jetzt ernst: der Ausstellungsort auf Zeit wird gebaut, so beschloss gerade die Stadtverwaltung. Aber braucht Berlin mit seiner lebendigen Galerienszene und reichen Museumslandschaft wirklich diese Kunsthalle? Metropolis fragt nach.
Jane Fonda
Autor: Ralph Eue
Jane Fonda ist vermutlich die Schauspielerin, der wie keiner anderen Hollywood-Diva unzählige Attribute angehängt wurden: Henry Fonda-Tochter, Sex-Symbol, Hanoi-Jane, Aerobic-Queen und Anti-Bush-Aktivistin sind nur fünf aus der Unmenge widersprüchlicher Labels, die sie – häufig zerrissen zwischen Selbst- und Fremdbestimmung – immer mit humorvoller Würde zu tragen versuchte.
Ihre Autobiographie hat Jane Fonda kürzlich „My life so far“ genannt. Damit hat sie zum Ausdruck gebracht, dass sie noch vieles in ihrem weiteren Leben in Angriff zu nehmen gedenkt. Ihr jetziges Alter nennt sie den „Auftakt zum dritten Akt“. Sie sieht diese Schwelle auch als Zeitpunkt, jetzt die Dinge zu sagen, die sie weiß, kennt und erfahren hat. Erstmals folgt sie jetzt auch dem ‚inneren Ruf’, als Spielfilm-Regisseurin nach einem eigenen Drehbuch tätig zu werden: einem erotischen Film, in dem sie auch selber mitspielt.
Wenn sie als Vorhaben ihres eigenen Films formuliert, zeigen zu wollen, „dass guter Sex wichtig ist. In jedem Alter!“, dann klingt das nicht nach Kampagnen-Smalltalk oder missionarischem Ehrgeiz, sondern danach Dinge auszusprechen, die sie eben kennt, weiß und erfahren hat. Metropolis interviewt und beobachtet Jane Fonda bei einem Besuch in Wien, wo ihr eine Gala bereitet wird.
Bilder aus dem Land der Extreme – japanische Fotografie der Gegenwart
Autor: Carsten Binsack
In Japan existieren zwei Extreme, die das Bild des Landes prägen. In den wuchernden und pulsierenden Großstädten verliert man sich auf der einen Seite in dem bunten Dickicht einer glitzernden Konsumkultur. Auf der anderen Seite begegnet man der stillen Ästhetik des Zen. Sie prägt nicht nur die traditionelle Kunst, sondern auch die formale Grundtendenz im Gegenwartsdesign. Somit gehören Fülle und Leere gleichsam zum Erscheinungsbild Japans – eine Polarität, die sich auch in der japanischen Fotografie der Gegenwart spiegelt. Die Aufnahmen von Ryuji Miyamoto aus der Erdbeben-Stadt Kobe, besitzen dabei eine geradezu skulpturale Qualität. Besonders reduziert und klar sind die Arbeiten von Hiroshi Sugimoto. Gerade bei seinen Meeresansichten standen Ruhe und Zeitlosigkeit im Zentrum seines Interesses – zurückhaltende Bilder voller stiller Eleganz. Ganz im Gegensatz zu den opulenten Arbeiten des großen Meisters der japanischen Fotografie: Nobuyoshi Araki. Er wird wie ein Popstar verehrt. Die Motive entstammen fast ausschließlich seiner Lebenswelt Tokio: Porträtaufnahmen, Straßenzüge, Getränkeautomaten oder Eidechsen, die seine Katze Chiro angeschleppt hat – vor allem aber immer wieder weibliche Akte, oft kunstvoll gefesselt. Eines seiner bekanntesten Models ist die isländische Sängerin Björk, die ebenfalls seine Werke bewundert.
Insgesamt 130 Arbeiten dieser drei Fotografen zeigt das Kunstmuseum Wolfsburg vom 10.11.2007 bis zum 24.03.2008. Metropolis hat die Ausstellung besucht und wandelt zwischen der Leere und der Fülle der japanischen Gegenwartsfotografie.
Putins Heldenfabrik - Kriegsfilme sind wieder im Trend
Autor: Micha Halfwassen
Vor zehn Jahren fast pleite, heute das Hollywood des Ostens: In den 13.000 Quadratmeter großen Mosfilm-Studios sind Kulissen aus allen Jahrhunderten aufgebaut: sibirische Dörfer, orthodoxe Klöster, Schlachtenszenen aus dem Zweiten Weltkrieg. Besonders beeindruckt der Armee-Fuhrpark, denn hier stehen mehr Panzer als manche kleine Staaten im Krieg aufwarten könnten. Im heutigen Russland, das sich, wie Präsident Wladimir Putin sagt, seiner Vergangenheit nicht schämen soll, sind Kriegsfilme wieder äußerst beliebt. Auch wenn der Staat Film-Budgets nur noch mit 30 Prozent subventioniert, produziert Russlands Filmindustrie heute wieder eine Heldengeschichte nach der anderen. Das meiste entsteht bei Mosfilm, nebenbei größter Filmproduzent Europas. Aufwendige Werbung und staatliche Fördermitteln von 100 Millionen Euro lassen Russlands Filmbranche boomen. In wenigen Jahren, so hoffen die Chefs von Mosfilm, werde es in Russland über 2000 moderne Kinos geben. Russen sollen sich für russische Helden begeistern. Dafür gebe es einen Markt, sagt der von Putin persönlich ernannte Generaldirektor von Mosfilm Karen Schachnasarow: "Krieg ist heute in Russland wieder in Mode gekommen." Ganz im Sinne von Putin, der ein starkes Russland will und die Menschen auf seinen Kurs einschwört. Dafür ist ein Film immer noch ein gutes Mittel, wie auch diese Geschichte zeigt.
Rheinland-Bastarde
Autor: Oliver Becker
Nach dem Ersten Weltkriegs besetzten französische Truppen das Rheinland. Im Versailler Vertrags stimmte das geschlagene Deutschland der Besatzung der linksrheinischen Gebiete sowie der Städte Köln, Koblenz, Kehl und Mainz zustimmen. Von den 85.000 französischen Besatzungssoldaten, die im Rheinland stationiert waren, stammten etwa 25.000 bis 30.000 aus Nordafrika, Französisch-Westafrika, Madagaskar und Indochina. In Deutschland regte sich schnell heftiger Protest gegen die Truppen aus den französischen Kolonien: "Senegal Neger" und "Negersoldaten" wurden sie beschimpft. Auch die Reichsregierung ließ in den kommenden Jahren keine Gelegenheit aus, um ihre Empörung zu äußern und den Abzug der schwarzen Soldaten zu fordern. Es wird sogar ein Schreiben an den Papst versandt. Parteien appellieren an die Reichregierung. 12.000 Menschen demonstrieren in New York gegen die "schwarze Schande" in Deutschland. "Die Verwendung schwarzer Truppen niederster Kultur als Aufseher über eine geistig und wirtschaftlich so hoch stehende Bevölkerung wie die Rheinländer sei eine dauerhafte Verletzung der Gesetze europäischer Zivilisation,“ erregte sich sogar Friedrich Ebert. Aus meist unehelichen Beziehungen zwischen deutschen Zivilistinnen und "farbigen" Soldaten entstammten Kinder, die in der Öffentlichkeit und den Medien bald als "Rheinland-Bastarde" diffamiert wurden. Ein Forschungsprojekt widmet sich jetzt der vergessenen Lebenswelt französischer Kolonialsoldaten und ihrer Nachkommen. Metropolis dokumentiert die Spurensuche der Forscher und trifft Zeitzeugen, die sich noch an ihre Begegnungen mit Soldaten aus Übersee erinnern können
Die Cidade da Cultura von Peter Eisenman in Santiago de Compostela
Autorin: Ana Rios
Von einem Zauberberg für die Pilgerstadt Santiago träumte Galiziens Ministerpräsident Manuel Fraga. Der renommierte amerikanische Architekt Peter Eisenman gewann die Ausschreibung für die „galizische Kulturstadt“. Heraus kam eines der größten Bauprojekte Europas auf einem Hügel gegenüber der Altstadt Santiagos. Einzigartig ist diese Architektur schon allein deshalb, weil es sich wohl um den bisher gewagtesten Versuch handelt, Gebäude und Landschaft miteinander zu verschmelzen. Die Bauten nehmen die Morphologie des Berges auf und darüber hinaus finden sich darin die Gassen der Altstadt von Santiago, die Jakobsmuschel, das Symbol des Stadtheiligen, und der Pilgerweg wieder. Der Architekturhistoriker Kurt W. Forster hat die Cidade da Cultura als „Supernova“ der Architektur bezeichnet. Der Stern war schnell erloschen, als der über achtzigjährige Manuel Fraga, der seine politische Laufbahn im Franco-Regime begonnen hatte, vor zwei Jahren in Galizien abgewählt wurde und an die Öffentlichkeit drang, was man bisher vertuschte. Das veranschlagte Budget von 120 Millionen Euro war weit überschritten, 350 Millionen hatte das Projekt schon verschlungen und der Bau war gerade mal zu einem Drittel fertig gestellt. Baustop. Fragas Nachfolge-Regierung steht nun vor dem Problem, das Projekt zu einem glücklichen Ende zu bringen. Keine leichte Aufgabe. Als der galizische Rechnungshof kürzlich eine massive Verschwendung öffentlicher Gelder in die Cidade ausmachte, kam man im Parlament zu dem Schluss, dass ein Untersuchungsausschuss sich der Sache annehmen müsse. Ein Streit tobt. Metropolis zeigt, wie sich Provinzfürsten verrechneten, wie Hoffnungen der Bürger auf Entwicklung und Kultur enttäuscht wurden und was dafür getan werden kann, damit ein großer Plan doch noch Wirklichkeit wird – am Ende des Jakobwegs.
Metropolis
Informationen zur Sendereihe
Das deutsch-französische Kulturmagazin METROPOLIS auf Arte stellt jeweils sonnabends um 23.30 Uhr und sonntag um 17.50 Uhr Ereignisse, Persönlichkeiten und Hintergründe der europäischen Kulturszene vor.
Macroscope Film produziert im Auftrag des ZDF dafür acht Magazinfolgen und steuert darüber hinaus auch einige monothematische Sendungen bei. Im Jahr 2001 wurden zum Beispiel drei thematische Schwerpunkte aufbereitet: "Stadtwelten", "Garten-Kunst" und "Kinder".
Die einstündige Sendung hat in den letzten Jahren durch ihren ausgewogenen Mix von internationalen Reportagen, Porträts, Essays und Kommentaren einen hohen Aufmerksamkeitswert innerhalb der europäischen Kulturszene und Fernsehlandschaft erreicht.




