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Biografien

Die biographische Reihe "Mein Leben" portraitiert für den Kulturkanal Arte bedeutende zeitgenössische Persönlichkeiten aus so unterschiedlichen Bereichen wie Kultur, Gesellschaft, Sport und Wirtschaft.

Die Autoren werfen einen Blick hinter die Fassaden prominenter Familien und dokumentieren das mitunter turbulente Innenleben bekannter Vereine.

"Mein Leben" verzichtet auf eine Darstellung aus fremder Sicht. Die Portraitierten selbst berichten an jenem Ort, der für ihren Lebensweg bestimmend ist, von ihrer Karriere. Die entscheidenden Impulse für ihren Werdegang werden also aus der ganz persönlichen Innensicht dargestellt. Sorgfältig einmontierte Archivmaterialien ergänzen diese Selbstzeugnisse.  

Weitere Filme aus der Reihe Biografien finden Sie im Archiv

Wibke Bruhns - Mein Leben - ma vie

ARTE Sa 06.01.07, 17:20 Uhr

Wibke Bruhns sorgt für Gesprächsstoff. Als erste Nachrichtensprecherin im Fernsehen gefeiert, wegen ihres gesellschaftskritischen und politischen Engagements von der Zeitschrift „Die Bunte“ zur „Jeanne d’Arc der 68er“ gekürt, entfachte sie 2004 als Buchautorin mit der Geschichte über ihren Vater, den Wehrmachtsoffizier Hans Georg Klamroth, eine Debatte über den Umgang mit persönlicher Vergangenheit und Historie.

Am 8.September 1938 wurde Wibke Bruhns in einem großbürgerlichen Haushalt in Halberstadt am Harz geboren. Nach dem Tod des Vaters, der im Zusammenhang mit dem Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 von den Nazis hingerichtet wurde, wächst sie mit ihren vier Geschwistern bei der Mutter auf. 1949 bekommt Frau Klamroth im diplomatischen Dienst einen Job. Die Welt öffnet ihre Türen und Wibke geht mit schnellen Schritten voran. Sie lebt in Schulen und Internaten zwischen Stockholm, London und Berlin, wo sie 1957 ihr Abitur absolviert. Nach dem Geschichts- und Politikstudium an der Universität Hamburg wird sie 1960 Volontärin in der Hamburger Redaktion der „Bild“-Zeitung, doch sie bricht das Volontariat im Hause Springer aus politischen Gründen ab. Die Berichterstattung zum Bau der Mauer in „Bild“ missfällt Ihr so sehr, dass sie dort nicht weiter arbeiten möchte. Es folgen Stationen als freie Mitarbeiterin beim NDR und dem ZDF. Und der Sender lässt sie Fernsehgeschichte schreiben: Am 12.Mai 1971 um 22:15 Uhr liest Wibke Bruhns mit schwarzer Hornbrille und in souveränem Ton als erste Frau die Nachrichten bei der ZDF „Heute“-Sendung. Ihr charmantes „Guten Abend“ läutet das Zeitalter der Fernsehfrauen ein. Wibke Bruhns heute dazu: „Nachrichtensprecherin, das war der langweiligste Job, den ich gemacht habe in meinem Leben!“ Sie will mehr als die Vorleserin der Nation sein, will selber schreiben und politisch Stellung beziehen. Es ist 1972 und es herrscht Wahlkampf. Sie arbeitet in der „Sozialdemokratischen Wahlinitiative“ für Willy Brandt. Trotz der Kritik aus den Reihen der CDU und der Forderung, sie vom Bildschirm zu nehmen, darf Wibke Bruhns weiter die Nachrichten im ZDF präsentieren. Erst nachdem Willy Brandt die Wahl glanzvoll gewonnen hat quittiert Wibke Bruhns am 12. Dezember 1972 Ihren Nachrichtenjob. 1979 geht sie für den „stern“ als Nahost-Korrespondentin nach Israel. Später, von 1984 bis 1988, ist sie Korrespondentin in Washington.

Die Dokumentation zeichnet nicht nur die beruflichen Lebensstationen von Wibke Bruhns nach, sie präsentiert die Autorin und Journalistin auch als Familienmensch. Zwei Töchter, Annika und Meike, kommen zur Welt. Doch das Glück zerbricht, als ihr Mann, der Schauspieler Werner Bruhns,1977 Selbstmord begeht. Sie nimmt ihre Töchter mit und geht ins Ausland. Wibke Bruhns ist heute zweifache Großmutter. Ihre Töchter und Enkel besucht sie häufig. Beruflich ist ihr Leben noch stark durch den Erfolg ihres Bestsellers „Meines Vaters Land – Geschichte einer deutschen Familie“ bestimmt. Noch immer finden Lesungen statt, erscheint das Buch in Neuauflagen oder hat Premiere in anderen Ländern. Es handelt nicht nur von dem Vater, den die Tochter als Sechsjährige verlor. Es entwirft das lebendige Bild einer großbürgerlichen Familie, dargestellt über mehrere Generationen. Der Film begleitet Wibke Bruhns auf Lesereise und geht mit der Protagonistin zurück zur den familiären Wurzeln, nach Halberstadt in Sachsen-Anhalt.

Eine Produktion von Macroscope Film

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