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Biografien

Die biographische Reihe "Mein Leben" portraitiert für den Kulturkanal Arte bedeutende zeitgenössische Persönlichkeiten aus so unterschiedlichen Bereichen wie Kultur, Gesellschaft, Sport und Wirtschaft.

Die Autoren werfen einen Blick hinter die Fassaden prominenter Familien und dokumentieren das mitunter turbulente Innenleben bekannter Vereine.

"Mein Leben" verzichtet auf eine Darstellung aus fremder Sicht. Die Portraitierten selbst berichten an jenem Ort, der für ihren Lebensweg bestimmend ist, von ihrer Karriere. Die entscheidenden Impulse für ihren Werdegang werden also aus der ganz persönlichen Innensicht dargestellt. Sorgfältig einmontierte Archivmaterialien ergänzen diese Selbstzeugnisse.  

Weitere Filme aus der Reihe Biografien finden Sie im Archiv

Tomi Ungerer - Mein Leben - ma vie

ARTE Sa 17.12.05, 14:00 Uhr

„Ich bin und heiße Hans Ungerer. Ich werde der Wanderer sein,“ schrieb er als Kind. Ein Wanderer, in geografischer und intellektueller Hinsicht, ist Tomi Ungerer geblieben. Straßburg, New York, Nova Scotia und Irland sind Stationen seines Lebenslaufes. Undogmatisch verkehrt er zwischen allen Ideologien, links und rechts, zwischen der „heilen und der geilen Welt“, der romantischen Liebe und der Welt der Dominas, zwischen Kinderreim und Literatur, spontaner Strichelei und akribischer Detailversessenheit. Kaum jemand hat sich dabei so sehr Europa als Idee einer einheitlichen, humanen und toleranten Gesellschaft verschrieben wie der Elsässer.

Tomi Ungerer wurde am 28. November 1931 in jener Straßburger Villa geboren, die sein Vater einmal entworfen hat. Der Vater, Théodore Ungerer, war ein Naturwissenschaftler, der astronomische Uhren baute, unter anderem die weltweit größte in Messina. Der Vater stirbt früh, und Tomis Mutter gibt ihrem Nesthäkchen fortan alle Liebe und Schutz. Obwohl im alemannischen Teil des Elsass geboren, ist Tomi Franzose, und seine Muttersprache ist französisch. 1940, als Nazilehrer den Schulunterricht im Elsass übernommen hatten, musste der Neunjährige lernen, richtig deutsch zu sprechen und zu schreiben. Die politische Zerrissenheit seiner elsässischen Heimat formt Tomi Ungerer.

Bereits als kleiner Junge hält er alles, was er sieht und was ihn berührt in Bildern fest. Und die Mutter hebt fast jedes Blatt auf. Nach seiner verpatzten Reifeprüfung geht es per Anhalter durch ganz Europa bis nach Lappland. Er verbringt ein Jahr freiwillig bei den französischen Kamelreitertruppen in Algerien, weil er nicht zum Krieg nach Indochina eingezogen werden möchte und landet dann schließlich in New York. Dort macht er Karriere: zuerst als Werbegrafiker, dann als Karikaturist. Doch seine kritische Haltung gegenüber dem Vietnamkrieg führt dazu, dass er seine Bücher in Amerika jahrelang nicht publizieren darf. Sein Verhältnis zu diesem Land ist gespalten, denn New York ist nicht Amerika.

1971 verlässt er von heute auf morgen den Big Apple und beginnt in Kanada ein Leben als Farmer. Mit seiner Frau Yvonne hat er drei Kinder, zwei Söhne und eine Tochter. In den 80er Jahren entdeckt Ungerer seine Heimat neu: Mit einer großen Ausstellung in seiner Geburtsstadt Straßburg dokumentiert er die Zwischenkultur des Elsass. “Wäre ich nicht Elsässer, hätte ich meine Bücher nicht herausgebracht. Unsicherheit, Lebensangst, Wut: Das ist der beste Treibstoff, den es für einen Künstler geben kann.“

ARTE-Autor Frank Eggers begleitete Tomi Ungerer durch Straßburg und auf seine Farm in Irland. Gerade genesen von schwerer Krankheit, gab der Künstler sehr persönliche Einblicke in sein Werk und Leben.

Erstsendung:
17.12.2005, 14.00 Uhr, ARTE

Wiederholungen:
08.04.2006, 17.45 Uhr, ARTE
14.04.2006, 16.05 Uhr, ARTE
28.11.2006, 19.15 Uhr, Phoenix
04.12.2006, 18.30 Uhr, Phoenix
03.01.2009, 17:15 Uhr, ARTE
10.01.2009, 06:45 Uhr, ARTE

Eine Produktion von Macroscope Film

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