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Biografien

Die biographische Reihe "Mein Leben" portraitiert für den Kulturkanal Arte bedeutende zeitgenössische Persönlichkeiten aus so unterschiedlichen Bereichen wie Kultur, Gesellschaft, Sport und Wirtschaft.

Die Autoren werfen einen Blick hinter die Fassaden prominenter Familien und dokumentieren das mitunter turbulente Innenleben bekannter Vereine.

"Mein Leben" verzichtet auf eine Darstellung aus fremder Sicht. Die Portraitierten selbst berichten an jenem Ort, der für ihren Lebensweg bestimmend ist, von ihrer Karriere. Die entscheidenden Impulse für ihren Werdegang werden also aus der ganz persönlichen Innensicht dargestellt. Sorgfältig einmontierte Archivmaterialien ergänzen diese Selbstzeugnisse.  

Weitere Filme aus der Reihe Biografien finden Sie im Archiv

Klaus von Dohnanyi - Christoph von Dohnanyi - Unser Leben - notre vie

ARTE Sa 26.08.06, 17:45 Uhr

Ein Film von Felix Schmidt

Es ist ein Brüder-Paar, wie es im Buch steht, ohne Zwist und Tadel. „Mein Bruder“, sagt Klaus, „ist im Grunde der einzige Mensch, mit dem ich mich wirklich richtig gut unterhal-ten kann.“ Und Christoph glaubt, dass ihre Nähe, „trotz häufiger räumlicher Ferne“, zeitlebens nichts von ihrer Intensität eingebüßt hat, Eines trennt sie jedoch: Die Aussprache ihres Familiennamens: Christoph spricht ihn ungarisch aus, wie sein ungarischer Großvater: Dochnányi, mit Betonung auf der ersten Silbe.

Beide, nur ein starkes Altersjahr auseinander, hat vor allem das Schicksal ihrer Eltern zu der engen Verbindung gebracht: Im Elternhaus in Sacrow - der Film zeigt es – erlebten sie, wie die Mutter in einer schwarzen Limousine von der SS abgeholt wurde, während der Vater, Staatsbeamter, gleichzeitig in Berlin verhaftet und später hingerichtet wurde. „Es war ein schrecklicher Einschnitt in unserem Leben“, erinnert sich Klaus von Dohnanyi, „unser Elternhaus war eine Zentrale des deutschen Widerstandes“.

Eine Zeitlang wollte Christoph von Dohnányi wie sein Bruder Jurist werden. Als die vom Großvater ererbte musikalische Begabung sich „übermächtig bemerkbar“ machte, sattelte er um, machte als Bester das Dirigenten-Examen und wurde Kapellmeister, während sein Bruder Klaus bei Ford in Detroit und in München als Unternehmensberater Karriere und Geld machte, um dann als „Unabhängiger“ in die Politik zu gehen, Staatssekretär und Minister zu werden. „Die Pflichterfüllung und das Gefühl für Verantwortung haben wir sehr früh von unseren Eltern erlernt““, sagt Klaus von Dohnanyi. „Man macht eine Sache richtig und bringt sie anständig zu Ende.“ Manchmal auch bis zum bitteren Ende.

Als Christoph von Dohnányi als Chefdirigent und Intendant der Hamburgischen Staatsoper mehr und mehr von bürokratischen Beschränkungen eingeengt wurde, ging er als Chefdirigent zum Cleveland Orchestra, einem der besten Orchester der Welt.

Klaus von Dohnanyi erinnert sich: „Das war eine schwierige Zeit, weil er immer dachte, der Bürgermeister, der ich damals war, der könnte doch mal auf den Tisch hauen und seiner Kultursenatorin Anweisungen geben“. Aber das konnte er nicht, da war die Hamburgische Verfassung dagegen.

Auch Klaus von Dohnanyi trat in Hamburg als Bürgermeister, nachdem er die sogenannte Hafenstraßen-Auseinandersetzung mit Hausbesetzern erfolgreich hinter sich gebracht hatte, zurück. „Ich hatte andere Pläne. Ich wollte nicht ewig in der Tagespolitik bleiben“. Er schrieb ein paar gelobte Bücher und arbeitet seither als Regierungsberater.

Von Ruhestand zu reden, wehren die Brüder brüsk ab: Klaus von Dohnanyi ist in Aufsichtsräten und Kommissionen politisch tätig; Christoph von Dohnányi dirigiert nach wie die großen Orchester dieser Welt. Doch beide haben in Hamburg wieder zusammengefunden. Christoph wurde unlängst Chefdirigent des NDR-Symphonieorchesters und hat sich in der Hansestadt ein Haus gebaut. Klaus von Dohnanyi geht seinen Verpflichtungen von seiner Hamburger Alster-Villa aus nach.

Eine Produktion von Macroscope Film

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