Biografien
Die biographische Reihe "Mein Leben" portraitiert für den Kulturkanal Arte bedeutende zeitgenössische Persönlichkeiten aus so unterschiedlichen Bereichen wie Kultur, Gesellschaft, Sport und Wirtschaft.
Die Autoren werfen einen Blick hinter die Fassaden prominenter Familien und dokumentieren das mitunter turbulente Innenleben bekannter Vereine.
"Mein Leben" verzichtet auf eine Darstellung aus fremder Sicht. Die Portraitierten selbst berichten an jenem Ort, der für ihren Lebensweg bestimmend ist, von ihrer Karriere. Die entscheidenden Impulse für ihren Werdegang werden also aus der ganz persönlichen Innensicht dargestellt. Sorgfältig einmontierte Archivmaterialien ergänzen diese Selbstzeugnisse.
Helmut Schmidt - Mein Leben - ma vie
Ein Film von Felix Schmidt
„Nein“, sagt Helmut Schmidt, „Gefühlsausbrüche hat es kaum gegeben; dafür ein ausreichendes Maß an Selbstdisziplin.“ So sieht der einstige Politstar im Rückblick seine faszinierende Lebensgeschichte, die ihn aus dem klassischen Hamburger Arbeitermilieu bis an die Spitze der Bundesrepublik führte. In dem für Arte gedrehten Film „Mein Leben“ gibt er seine Abstammung von einem jüdischen Großvater preis, von der er einst mit 15 Jahren erfahren hatte, als er seine Mutter bedrängte, ihn in die Hitlerjugend eintreten zu lassen. „Ich habe sofort begriffen, dass sie recht hatte, als sie sagte, du darfst darüber mit niemandem reden.“
Er hatte viel Glück, dass während der ganzen Nazi-Zeit, in der Schule wie in der Militärzeit, verborgen blieb, dass er ein „Vierteljude“ war. Immerhin ging er bedenkenlos, mit Notabitur der Hamburger Lichtwerk-Schule versehen, zum Militär, meldete sich sogar freiwillig zur kämpfenden Truppe, „weil ich mit einer Uniform herumlief, auf der keinerlei Kriegsorden waren. Und dafür habe ich mich ein wenig geschämt.“ So gesehen ist erklärbar, dass es dem einstigen Kriegsleutnant leichter viel als vielen anderen Sozialdemokraten nach dem Krieg, für die Bundeswehr einzutreten und schließlich Verteidigungsminister zu werden. Im Arte-Film korrigiert Helmut Schmidt indessen die ihm unterschobene Formulierung, „die Wehrmacht sei die einzige anständige Organisation im Dritten Reich“ gewesen. Schmidt: „Heutzutage weiß man es viel besser.“
Als Helmut Schmidt aus dem Krieg heimgekehrt war, nahm er Abschied von seinem Traum, Städtebauer zu werden. Der mittellose Mann entschied sich für das billigste und schnellste Studium: Volkswirtschaft. Zugleich ging er in Hamburg in die Politik. Schon damals, als der Staat wieder aufgebaut wurde, sprach Helmut Schmidt von „der unbedingten Notwendigkeit“ der Aussöhnung mit dem Erbfeind Frankreich - ein Europa der ausgesöhnten Vaterländer als Vision vor Augen. Das deutsch-französische Verhältnis, seine Freundschaft mit Giscard d´Estaing ist denn auch ein zentraler Punkt des Arte-Porträts. Helmut Schmidt liegt daran, zu erläutern, dass das deutsch-französische Verhältnis die Basis der Europäischen Gemeinschaft ist und er als Kanzler diese Basis gefestigt hat wie kein zweiter: „Meine Nachfolger haben mit Frankreich nicht so viel anfangen können, weil sie das französische Wesen nicht so recht begriffen haben.“
Als Helmut Schmidt aus der Politik ausschied, mischte er sich unter die Journalisten, wurde Herausgeber der „Zeit“ und will nichts mehr davon wissen, dass er diesen Berufsstand einst als „Wegelagerer“ bezeichnet hat. „Einzelne Fernsehreporter ja, ich bin aber weit davon entfernt, den Journalismus insgesamt als Wegelagerei anzusehen. Journalisten sind ähnlich wie Politiker; die reichen vom Staatsmann bis zum Verbrecher.“
Eine Produktion von Macroscope Film




