Biografien
Die biographische Reihe "Mein Leben" portraitiert für den Kulturkanal Arte bedeutende zeitgenössische Persönlichkeiten aus so unterschiedlichen Bereichen wie Kultur, Gesellschaft, Sport und Wirtschaft.
Die Autoren werfen einen Blick hinter die Fassaden prominenter Familien und dokumentieren das mitunter turbulente Innenleben bekannter Vereine.
"Mein Leben" verzichtet auf eine Darstellung aus fremder Sicht. Die Portraitierten selbst berichten an jenem Ort, der für ihren Lebensweg bestimmend ist, von ihrer Karriere. Die entscheidenden Impulse für ihren Werdegang werden also aus der ganz persönlichen Innensicht dargestellt. Sorgfältig einmontierte Archivmaterialien ergänzen diese Selbstzeugnisse.
Hélène Grimaud - Mein Leben - ma vie
„Für mich ist bei einem Flügel seine Präsenz das wichtigste. Er muss – anders kann ich es nicht ausdrücken - große Eier haben, muss kraftvoll, schnell und dynamisch sein“, beschreibt die französische Pianistin Hélène Grimaud ihren Anspruch.
Sie wird 1969 in Aix-en-Provence geboren. Ihre Eltern sind Hochschullehrer. Doch mit ihrer überaktiven Tochter kommen sie nicht zurecht. Sie hat eine rebellische Ader und neigt dazu sich selbst Verletzungen zuzufügen. Wenn sie hinfällt und an einem Knie eine Schürfwunde hatte, fühlte sie sich erst besser, wenn ihr das Gleiche auch am anderen Knie widerfährt. Dadurch lernt sie die falsche Realität kennen, die sie zunächst in der Symmetrie sucht. Als Kind ist sie ständig auf der Suche nach ihrem inneren Gleichgewicht. Wenn sie schlafen geht, versucht sie ihre Augen so fest wie möglich zu schließen, bis sie nur noch schwarz/weiße Punkte sieht. Dann stellte sie sich die Frage nach dem Nichts: was ist, wenn es nichts mehr gibt? Wenn alles, was einem Lieb ist nicht existiert? Was bleibt dann?
Ihre Eltern wollen ihren Energieüberschuss bändigen und denken, er ist körperlicher Natur. Die Eltern schicken sie zum Ballett, zum Kampfsport, auf den Tennisplatz. Es hilft alles nichts. In Wahrheit ist es eine geistige und emotionale Energie, die nicht aus ihr heraus kann, weil sie keine entsprechende Herausforderung hat.
Nach diesen Fehlversuchen sehen die Eltern nur einen Ausweg. Sie melden Hélène mit sieben Jahren in einer Musikschule an. Für Hélène ist es, als ob sich eine bisher stets verschlossene Türe plötzlich öffnet. Sie findet ihr inneres Gleichgewicht, dass sie so lange suchte. Die Musik lässt sie nicht mehr los. Sie überspringt Klassen und wird mit 13 Jahren als jüngste Schülerin im Konservatorium von Paris aufgenommen. Nach ihrer Ausbildung beschließt sie Anfang der 1990er Jahre Frankreich zu verlassen, nicht aus Abneigung der französischen Kultur oder des Systems. Sie hat das Gefühl, durch Reisen auf die Suche nach etwas Neuem gehen zu müssen. Dabei sucht sie auch nach einem Sinn in ihrem jungen Leben, will etwas Gutes tun, jenseits der Musik.
Ihr neues Zuhause findet sie in den USA. Dort hat sie eines Abends beim Spazierengehen eine einschneidende Begegnung, die eine zweite Tür in eine ihr unbekannte Welt öffnet: sie schließt Freundschaft mit einer Wölfin. Sie ist fasziniert von diesen Tieren. Fortan setzt sie sich für Wölfe und ihren zu unrecht schlechten Ruf ein. 1997 gründet sie in der Nähe von New York das Wolf Conservation Centre. Acht Jahre später lernt sie ihre große Liebe, Matthias, kennen. Er ist deutscher Fotograf mit Wohnsitz Berlin. Sie beschließt ihr Leben völlig umzukrempeln und zieht zu ihm in die deutsche Hauptstadt. Der Film begleitet sie in ihrem neuen Leben und auf ihren Reisen zwischen Deutschland und den USA.
Erstsendung:
28.07.2007, 17:30 Uhr, ARTE
Wiederholungen:
24.02.2008, 09:45 Uhr, Phoenix
28.12.2008, 18:15 Uhr, ARTE
03.01.2009, 06:45 Uhr, ARTE
12.01.2009, 10:50 Uhr, ARTE
Eine Produktion von Macroscope Film




